Mario Rieder: Orientierungen

Must Reads - Lesetipps zu Gesellschaft, Ökonomie, Bildung…

Mariana Mazzucato: The Entrepreuneural State

Debunking Public vs. Private Sector Myths (2014)
Mazzucato
Warum der Mythos vom bürokratischen, schwerfälligen Staat und der risiko- und innovationsfreudigen Privatwirtschaft nicht der Realität entspricht. Warum es daher für nachhaltiges, innovationsgetriebenes Wachstum kontraproduktiv ist, den Staat und den öffentlichen Sektor laufend auszuhöhlen und zu schwächen. Warum der Staat über eine rein defensive, den Markt stabilisierende Rolle hinaus dafür offensiv als Innovationsmotor agieren muss, durch Investitionen in Forschung und technologische Entwicklung und durch die aktive Gestaltung und Schaffung von (neuen) Märkten - und dabei auch Risiken eingehen und tragen muss.

"First, it means empowering governments to envision a direction for technological change and invest in that direction. (…) Second (…) public investments should be measured by its courage in pushing markets into news areas. (…) Third, it means allowing public organizations to experiment, learn and even fail!" (Mariana Mazzucato)

Wie nicht nur im Finanzsektor, sondern auch auf dem Feld von Innovation und von neuen Märkten (wie IT, Biotechnologie oder Green Economy) die Risiken vergesellschaftet und vom Staat getragen werden, die Gewinne hingegen privatisiert werden, ohne den jeweils tatsächlich geleisteten Beitrag zu Innovationen zu spiegeln - etwa am Beispiel von Apple und dem iPhone. Warum wir daher von einem parasitären zu einem symbiotischen Ökosystem zwischen Staat und privatem Sektor gelangen müssen, das gewährleistet, dass wirtschaftliches Wachstum nicht nur "smart", sondern auch inklusiv ist.

Colin Crouch: Die bezifferte Welt.

Warum die Logik der Finanzmärkte das Wissen bedroht (2015)
Colin Crouch
Warum der Versuch, den öffentliche Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit, Sicherheit nach marktwirtschaftlichen (und somit neoliberalen) Gesichtspunkten zu gestalten, zu einem Verlust von Expertisen, alternativer bzw. kritischer wissenschaftlicher Erkenntnisse, von Vertrauen und von Qualität führt.
Über die gefährlichen Auswirkungen von Zielvorgaben, Indikatoren, Kennzahlen und Rankingsystemen sowie der Auslagerung öffentlicher Dienstleistungen an Märkte. Wie dadurch eine monopolartige Dominanz von bestimmten privaten Großanbietern ohne spezifische fachliche Expertise und Berufsethos erzeugt wird, deren Knowhow sich vorwiegend auf das Lukrieren und Halten von öffentlichen Aufträgen beschränkt - und über die Verflechtungen von Behörden und solchen Privatunternehmen.
Und wie BürgerInnen und NutzerInnen von öffentlichen Dienstleistungen zu (Pseudo)KundInnen und KonsumentInnen und letztendlich zu Objekten reduziert werden und es dadurch zu einem wachsenden Ausschluss bestimmter sozialer Gruppen mit geringem demokratischem Gewicht kommt.

Tony Judt: Ill Fares the Land

(2011)
Slack
Über die wichtige stabilisierende Rolle des Staates, um den Irrationalitäten und destruktiven Folgen eines freien Marktes zu begegnen. Warum es nach dem 2.Weltkrieg bis in die 1960er Jahre in den USA und Westeuropa aufgrund der Erfahrungen der 1930er Jahre und der Entwicklungen, die in Faschismus, Diktaturen und Krieg führten, einen breiten Konsens für einen starken Staat gab, der durch ökonomische Planung und öffentliche Investitionen sowie durch die Aufwärtsmobilität durch Bildung die Demokratie stabilisiert und Gerechtigkeit und hohes Ausmaß an Gleichheit gewährleistet. Ein Konsens, der von der Linken ebenso getragen wurde wie von Liberalen und Konservativen. Und wie dies durch den Neoliberalismus und den Neokonservativismus schrittweise zerstört wurde, durch Thatcher und Reagan ebenso wie durch Blair, Schröder und Clinton.

Ein Plädoyer für eine dringend erforderliche Repolitisierung, um dem Kult des freien Markets und der Privatisierung des Staates, der wachsenden Ungleichheit und Entsolidarisierung und den stärker werdenden rechten und antidemokratischen Kräften eine neu gedachte und neu gestaltete linke Politik entgegen zu setzen. Und welche Rolle eine offensive, erneuerte Sozialdemokratie bei diesem Kampf für soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit spielen kann und muss.

Tom DeMarco: Slack

Geeting Past Burnout, Busywork and the Myth of of Total Efficiency (2001)
Stacks Image 127
Warum das Streben nach größtmöglicher Effizienz zu einem Verlust von Flexibilität führt - und damit Organisationen verlangsamen und ihrer Fähigkeit beraubt, zu lernen, sich zu verändern und weiterzuentwickeln. Und wie Freiräume ("Slack") dem entgegen wirken können, indem sie die Beweglichkeit von Organisationen erhöhen, die Kontinuität von Personal, Kreativität und Qualität fördern sowie Zukunftsinvestitionen und Entwicklung ermöglichen, indem sie Organisationen dazu befähigen, sinnvoll Risiken eingehen zu können, statt diese ängstlich zu vermeiden.

"Ever increasing busyness is not good for individuals, and they know it. (…) it is not good for the companies they work for either. It's not good for them because it makes them unable to change, wed to stasis. After more than a decade of doing everything we can to make our companies more efficient, the challenge today is to make them more agile." (Tom DeMarco)


Ein Buch, das zur Grundausstattung von ManagerInnen, Führungskräften, EntscheidungsträgerInnen etc. gehören sollte.
Man braucht Konzepte, Ideen und einen kritischen Standpunkt.
Marie Jahoda